Der härteste Stein der Welt

Ich glaube, ich habe mich verlaufen. Ich habe mein Ziel aus den Augen verloren. Was war dieses Ziel überhaupt? Was wollte ich erreichen? Aber ich werde noch nicht aufgeben. Die Hoffnung flammt in mir auf und ich laufe weiter. Doch ich kann mich nicht erinnern. Irgendetwas Wichtiges war es, aber was nur? 

Ich glaube, ich habe mich nicht nur verlaufen, sondern auch etwas anderes Wichtiges auf meinem Weg verloren. Aber ich kann nicht sagen, was es ist. Nun sollte man wissen, wenn man etwas verloren hat, jedoch beschleicht mich nur das Gefühl. Ich kann nicht genau sagen, dass etwas verloren gegangen ist. Ich gehe trotzdem weiter, aber je weiter ich gehe, desto verzwickter und aussichtsloser wird es. Zurück kann ich jedenfalls auch nicht. Wie es aussieht, kann ich momentan nichts anderes tun, außer weiterzugehen. Aber es gibt so viele Wege. Welcher ist nun der Richtige? Welchen soll ich wählen? Aber immer weiter gerade aus zu gehen, klappt zu meinem Leiden auch nicht. Also entscheide ich mich immer wieder aufs Neue. Ich gehe weiter, doch so langsam schleicht sich die Frage in meinen Kopf, ob ich überhaupt weiter gehen sollte. Wie wäre es, einfach stehen zu bleiben? Irgendwas in mir drängt mich aber dazu nicht anzuhalten und weiter zu gehen, weiter an der Hoffnung festzuhalten. Also gehe ich und gehe immer weiter bis es plötzlich nicht mehr weitergeht, weder vor oder zurück noch nach links oder nach rechts. Was soll ich denn jetzt tun? Wie soll ich weitergehen, wenn ich von allen Seiten zugemauert bin? Warum bin ich überhaupt hier? Blind vor Wut schlage ich auf die Mauer vor mir, die mir meinen weiteren Weg versperrt. Dabei verletze ich mir nicht nur meine Hand, sondern mir fällt auch noch als Bestrafung ein Stein, der zuvor locker in der Wand steckte, auf den Kopf. Wie war es auch anders zu erwarten bei meinem Glück? Ich hebe den verdammten Stein auf und will ihn, noch wütender als zuvor, gegen die Wand schmettern. Als ich, aber den Stein in der Hand halte, fallen mir plötzlich lang vergessene Worte wieder ein.  

„ Der härteste Stein der Welt liegt in deiner Brust.“  

Ich setze mich hin, lehne meinen Oberkörper gegen die Wand und lege meinen Kopf in den Nacken. Ich verstehe einfach nicht, warum mir gerade jetzt diese Worte wieder einfallen. Ich drehe den Stein in meiner Hand und begutachte ihn. Es ist einfach ein stinknormaler Stein. Nichts Besonderes. 

„ Auch der eisernste Wille kann verloren gehen. Aber nur die, die in der Lage sind, ohne jegliche Zweifel durch jede Wand zu laufen, die sich ihnen in den Weg stellt, finden ihn auch wieder.“  

Ich höre die Worte klar und deutlich und ich merke wie Tränen in meinen Augen brennen, sobald sie ausgesprochen waren. Ich erinnere mich. Was ich verloren hatte, habe ich jetzt wieder gefunden. Ich stehe entschlossen auf und drehe mich zur Wand. Ich atme tief durch, schließe meine Augen und gehe, soweit es mir möglich ist, zurück. Einen kurzen Moment lang überkommen mich Zweifel. Ich will mich wieder setzen und weiter wütend sein. Wütend auf mich und die ganze Welt. Aber ich besinne mich selbst eines besseren und schiebe jeden Zweifel zur Seite. Ich laufe los und für eine Sekunde kriechen die Zweifel ein weiteres Mal hoch und mich überkommt die Angst. Was ist, wenn ich mir nur irgendeinen Blödsinn in den Kopf gesetzt habe? Was, wenn das nicht funktioniert? Dafür ist es, aber reichlich zu spät und nichts und niemand kann mich noch aufhalten meinen Weg weiter zu beschreiten. Ich erreiche die Wand und gegen jede Art der Vernunft laufe ich hindurch- und erreiche unversehrt die andere Seite. Mir entweicht ein Freudenschrei. Ich habe es geschafft. Ich habe es geschafft. Zwar bin ich total erschöpft, aber das hält mich nicht auf. Ich sehe meinen Weg klar vor mir und mein Ziel leuchtet mir schon in der Ferne entgegen. Ich habe zurückgefunden und das gefunden, was ich verloren hatte, auch wenn ich es nie verloren, sondern einfach vergessen hatte. Ich gehe also weiter.