{"id":3306,"date":"2024-06-24T08:19:52","date_gmt":"2024-06-24T08:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=3306"},"modified":"2024-06-24T08:19:54","modified_gmt":"2024-06-24T08:19:54","slug":"neues-vom-literaturkreis-unserer-schule","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=3306","title":{"rendered":"Neues vom Literaturkreis unserer Schule"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Kindheitstraum<\/strong><br>Zeitstreckung<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><br>Wenn man aufgeregt ist, k\u00f6nnen sich Minuten wie Stunden anf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><br>Mein Leben lang tr\u00e4ume ich genau hiervon. Von diesem Augenblick und allem, was er<br>mit sich bringt. Ein Event, das ich schon als Kind jedes Jahr mit leuchtenden Augen im<br>Fernsehen verfolgt habe. Aber heute ist es anders. Heute sitze ich nicht mehr vor dem<br>Bildschirm, heute stehe ich mitten im Rampenlicht. Ein Traum, der so viele N\u00e4chte in<br>mir gelebt hat, wird nun Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><br>Doch sie breitet sich schlagartig aus: die Panik. Mein Herz schl\u00e4gt bis zum Hals und sie<br>schwebt wie eine schwarze Wolke \u00fcber mir. Was mache ich jetzt? Monatelang habe ich<br>mich auf diesen Moment vorbereitet und jetzt habe ich alles vergessen. Ich versuche,<br>mich mit all meiner Kraft an meine Worte zu erinnern, aber es funktioniert beim besten<br>Willen nicht. In meinem Kopf herrscht g\u00e4hnende Leere und es f\u00fchlt sich so an, als w\u00e4re<br>ich in meinem ganzen Leben noch nie so nerv\u00f6s gewesen wie jetzt. Wahrscheinlich war<br>ich das auch nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><br>Ich habe noch nie so stark an mir gezweifelt und war gleichzeitig so stolz auf mich. Der<br>ganze Augenblick ist wie eine Zwickm\u00fchle. Ich habe mich noch nie so sehr gefragt, ob<br>ich etwas wirklich verdient habe, und war gleichzeitig so gl\u00fccklich \u00fcber meine<br>Errungenschaft. Wie kann man nur so viele Gedanken auf einmal haben? Wo sind meine<br>Karten? Ich habe alles vergessen. Alles. Hier. Eigentlich wollte ich ja frei sprechen und &#8211; Meine Gedanken wiederholen sich, aber ich kann nichts dagegen unternehmen. Es ist.<br>als w\u00fcrden sie gegen mich ank\u00e4mpfen, als wollten sie, dass ich scheitere.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><br>Ich traue mich nicht hochzuschauen, obwohl jeder in diesem Raum f\u00fcr mich<br>applaudieren wird. Jeder in diesem Raum wei\u00df, warum ich genau jetzt hier oben stehe.<br>Ich habe das Gef\u00fchl, als w\u00e4re ich die einzige Person, die es immer noch nicht begriffen <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\">hat. Ich muss es tun und mich \u00fcberwinden. Ich muss jeden Gedanken, der mich<br>aufhalten will, hinter mir lassen und es tun.<br>Es ist ein unbeschreibliches Gef\u00fchl. Ich zittere am ganzen Leib und wahrscheinlich hat<br>jeder in diesem Raum meine Nervosit\u00e4t l\u00e4ngst gesp\u00fcrt. Man muss sie gar nicht sp\u00fcren,<br>denn ich zittere am ganzen Leib. Meine Muskeln f\u00fchren Krieg gegeneinander und<br>vermutlich wird keiner von ihnen gewinnen. Doch gleichzeitig breitet sich eine<br>unvorstellbare W\u00e4rme in mir aus, als der tosende Applaus losgeht. W\u00e4rme und K\u00e4lte<br>zugleich. Das H\u00e4ndeklatschen donnert durch den Saal und ich werde davon<br>\u00fcberrumpelt. Niemand bereitet einen auf die Sch\u00f6nheit eines solchen Moments vor,<br>geschweige denn auf die Reaktion des eigenen K\u00f6rpers.<br>Ich habe noch nie so gefroren, gleichzeitig platzt der Schwei\u00df f\u00f6rmlich aus meiner<br>Sch\u00e4deldecke hinaus. Ich schaue durch den Saal. Gl\u00e4nzende Lichter, blitzende Kameras,<br>St\u00fchle, Tische, Mikrofone, Stars, einfache Leute &#8211; mir wird das alles zu viel. Hunderte,<br>nein, tausende Augenpaare sind genau auf mich gerichtet und erwarten von mir, dass ich<br>mich perfekt pr\u00e4sentiere. Aber ist sowas \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Kann man \u00fcberhaupt in so<br>einem Moment vollkommen sein?<br>Ich blicke fl\u00fcchtig nach links. Da kommt er. Klein und Gold. Genau wie erwartet. Das<br>Einzige, was genau so l\u00e4uft wie erwartet. Endlich kann ich ihn entgegennehmen. Meine<br>Fingerspitzen ber\u00fchren vorsichtig das kalte Metall und ich fange an, noch st\u00e4rker zu<br>zittern. Ich habe es geschafft. Schon seit ich ein kleines Kind war, tr\u00e4ume ich davon,<br>einen Oscar zu gewinnen, und jetzt ist es endlich so weit.<br>Ich atme laut ins Mikrofon. Zu laut. Jetzt muss ich etwas sagen. Irgendetwas<br>wenigstens. Was, wenn ich keinen Ton rausbekomme? In mir dreht sich alles. Meine<br>Gedanken rasen, Erinnerungen blitzen auf. N\u00e4chte, in denen ich in meinem kleinen<br>Zimmer sa\u00df und in meinem Kopf Szenen abspielte, Dialoge \u00fcbte, Emotionen<br>verarbeitete. Die Momente, in denen ich an mir zweifelte, in denen ich dachte, dass ich<br>es nie schaffen w\u00fcrde. Und die Menschen, die immer an mich geglaubt haben, auch<br>wenn ich es selbst nicht tat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>KindheitstraumZeitstreckung Wenn man aufgeregt ist, k\u00f6nnen sich Minuten wie Stunden anf\u00fchlen. Mein Leben lang tr\u00e4ume ich genau hiervon. Von diesem Augenblick und allem, was ermit sich bringt. Ein Event, das ich schon als Kind jedes Jahr mit leuchtenden Augen imFernsehen verfolgt habe. Aber heute ist es anders. Heute sitze ich nicht mehr vor demBildschirm, heute stehe ich mitten im Rampenlicht. Ein Traum, der so viele N\u00e4chte inmir gelebt hat, wird nun Wirklichkeit. Doch sie breitet sich schlagartig aus: die Panik. Mein Herz schl\u00e4gt bis zum Hals und sieschwebt wie eine schwarze Wolke \u00fcber mir. Was mache ich jetzt? Monatelang habe ichmich auf diesen Moment vorbereitet und jetzt habe ich alles vergessen. Ich versuche,mich mit all meiner Kraft an meine Worte zu erinnern, aber es funktioniert beim bestenWillen nicht. In meinem Kopf herrscht g\u00e4hnende Leere und es f\u00fchlt sich so an, als w\u00e4reich in meinem ganzen Leben noch nie so nerv\u00f6s gewesen wie jetzt. Wahrscheinlich warich das auch nicht. Ich habe noch nie so stark an mir gezweifelt und war gleichzeitig so stolz auf mich. Derganze Augenblick ist wie eine Zwickm\u00fchle. Ich habe mich noch nie so sehr gefragt, obich etwas wirklich verdient habe, und war gleichzeitig so gl\u00fccklich \u00fcber meineErrungenschaft. Wie kann man nur so viele Gedanken auf einmal haben? Wo sind meineKarten? Ich habe alles vergessen. Alles. Hier. Eigentlich wollte ich ja frei sprechen und &#8211; Meine Gedanken wiederholen sich, aber ich kann nichts dagegen unternehmen. Es ist.als w\u00fcrden sie gegen mich ank\u00e4mpfen, als wollten sie, dass ich scheitere. Ich traue mich nicht hochzuschauen, obwohl jeder in diesem Raum f\u00fcr michapplaudieren wird. Jeder in diesem Raum wei\u00df, warum ich genau jetzt hier oben stehe.Ich habe das Gef\u00fchl, als w\u00e4re ich die einzige Person, die es immer noch nicht begriffen hat. Ich muss es tun und mich \u00fcberwinden. Ich muss jeden Gedanken, der michaufhalten will, hinter mir lassen und es tun.Es ist ein unbeschreibliches Gef\u00fchl. Ich zittere am ganzen Leib und wahrscheinlich hatjeder in diesem Raum meine Nervosit\u00e4t l\u00e4ngst gesp\u00fcrt. Man muss sie gar nicht sp\u00fcren,denn ich zittere am ganzen Leib. Meine Muskeln f\u00fchren Krieg gegeneinander undvermutlich wird keiner von ihnen gewinnen. Doch gleichzeitig breitet sich eineunvorstellbare W\u00e4rme in mir aus, als der tosende Applaus losgeht. W\u00e4rme und K\u00e4ltezugleich. Das H\u00e4ndeklatschen donnert durch den Saal und ich werde davon\u00fcberrumpelt. Niemand bereitet einen auf die Sch\u00f6nheit eines solchen Moments vor,geschweige denn auf die Reaktion des eigenen K\u00f6rpers.Ich habe noch nie so gefroren, gleichzeitig platzt der Schwei\u00df f\u00f6rmlich aus meinerSch\u00e4deldecke hinaus. Ich schaue durch den Saal. Gl\u00e4nzende Lichter, blitzende Kameras,St\u00fchle, Tische, Mikrofone, Stars, einfache Leute &#8211; mir wird das alles zu viel. Hunderte,nein, tausende Augenpaare sind genau auf mich gerichtet und erwarten von mir, dass ichmich perfekt pr\u00e4sentiere. Aber ist sowas \u00fcberhaupt m\u00f6glich? Kann man \u00fcberhaupt in soeinem Moment vollkommen sein?Ich blicke fl\u00fcchtig nach links. Da kommt er. Klein und Gold. Genau wie erwartet. DasEinzige, was genau so l\u00e4uft wie erwartet. 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