{"id":2111,"date":"2022-12-07T10:39:00","date_gmt":"2022-12-07T10:39:00","guid":{"rendered":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=2111"},"modified":"2022-12-10T09:47:16","modified_gmt":"2022-12-10T09:47:16","slug":"ddr-faktencheck-vorurteil-oder-wahrheit-was-wissen-unsere-schuelerinnen-ueber-die-ddr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=2111","title":{"rendered":"DDR-Faktencheck: Vorurteil oder Wahrheit &#8211; Was wissen unsere Sch\u00fclerInnen \u00fcber die DDR?"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Was wissen unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcber die DDR? Und was sind vielleicht nur Vorurteile? Unsere Sch\u00fclerzeitung ist durch einige Oberstufenkurse gegangen und hat die Sch\u00fclerInnen nach ihren Annahmen \u00fcber die DDR gefragt. Anschlie\u00dfend hat unsere Sch\u00fclerzeitungsredaktion die Annahmen einem &#8220;Faktencheck&#8221; unterzogen. Unsere Redakteurin Giulia aus der 6a kennt jemanden, der in der DDR aufgewachsen ist und somit aus eigener Erfahrung berichten konnte, was der Wahrheit entspricht und was nur Vorurteile sind. Hier ist ihr Faktenchek:<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Annahme unserer Sch\u00fclerInnen: Die Menschen in der DDR hatten keine Freiheit und waren wie Gefangene.<br><\/strong>Antwort der Zeitzeugin: Nein wir waren nicht in dem Sinne Gefangene wie in einem Gef\u00e4ngnis. Man konnte mit seinem Personalausweis auch die angrenzenden L\u00e4nder bereisen, welche dem Warschauer Pakt angeh\u00f6rten, mithin kommunistische L\u00e4nder waren, wie Polen, CSSR (heute Tchechien und<br>Slowakei), Ungarn, Rum\u00e4nien, Jugoslawien (heute 7 eigene Staaten) und die CCCP   fr\u00fcher Sowjetunion\/Russland). Dort mu\u00dfte man sich jedoch streng an Regeln der kommunistischen Regierungen halten. Eine Reise in kapitalistische L\u00e4nder (\u00d6sterreich, BRD) war \u201eNormalB\u00fcrgern\u201c nicht so einfach gestattet und bedurfte stets eines Visums und erhielten in der Regel nur Personen, welche linientreu zur Regierung der DDR waren, Mitglied der SED waren und\/oder keinesfalls diese Reise als Flucht nutzten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920-1024x745.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2146\" width=\"392\" height=\"285\" srcset=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920-1024x745.jpg 1024w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920-300x218.jpg 300w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920-768x559.jpg 768w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920-1536x1118.jpg 1536w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920-1140x829.jpg 1140w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/passport-gf1990b4eb_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 392px) 100vw, 392px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><br><strong>Man konnte niemandem vertrauen (auch nicht der Familie), weil man immer davon ausgehen musste, dass man bespitzelt wurde (Stasi).<\/strong><br>In der Tat musste man extrem vorsichtig sein, wem man sein Vertrauen schenkte, sofern man politisch nicht erlaubte Dinge sagen oder machen wollte. Die Arbeit der Stasi bestand nicht nur im Bespitzeln des Westens, sondern vor allem im Bespitzeln der eigenen Bev\u00f6lkerung. Hierzu wurden sehr gern Menschen eingesetzt, welche als sogenannte IM (inoffizielle Mitarbeiter) f\u00fcr die Stasi &#8211; nicht nach au\u00dfen erkennbar &#8211; t\u00e4tig waren. Einige Menschen machten freiwillig den Dienst als IM, andere aber wurden dazu gezwungen, ihre Freunde, Kollegen oder sogar eigene Familie zu bespitzeln. Je mehr die DDR zu zerbrechen drohte, um so mehr war die Stasi t\u00e4tig, Andersdenkende zu verfolgen und damit auch der eigenen Bev\u00f6lkerung Angst zu machen. Viele Menschen kamen aufgrund dieser Bespitzelung von heute auf Morgen ins Gef\u00e4ngnis, diesen wurde kurzfristig der Proze\u00df gemacht und sie sahen ihre Familien nicht mehr wieder, sie waren politische Gefangene vor allem in daf\u00fcr der Bev\u00f6lkerung bekannten Gef\u00e4ngnissen wie Berlin Hohensch\u00f6nhausen oder Bautzen II etc., nur weil sie politisch anderer Meinung waren oder eine Flucht in die BRD planten. Dies ging sogar so weit, da\u00df deren Kinder zur Zwangsadoption freigegeben wurden.<br>Erst nach der Wende wurden politisch Gefangene frei gelassen. Viele haben jedoch die Verh\u00f6re und Bedingungen im Gef\u00e4ngnis nicht \u00fcberlebt. Mit Aufkommen der Wende wurden viele Akten der Stasi von den Mitarbeitern der Stasi selbst zerst\u00f6rt. Noch heute sind Mitarbeiter der Beh\u00f6rde Amt f\u00fcr  Bundesbeauftragte f\u00fcr Stasi-Unterlagen damit besch\u00e4ftigt, diese zerst\u00f6rten Aktien wieder zusammen zu puzzlen.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3-1024x709.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2144\" width=\"364\" height=\"251\" srcset=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3-1024x709.jpg 1024w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3-300x208.jpg 300w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3-768x532.jpg 768w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3-1536x1063.jpg 1536w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3-1140x789.jpg 1140w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/jail-gb474a44c6_1920-3.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 364px) 100vw, 364px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-left\"><strong>Es gab keine geilen S\u00fc\u00dfigkeiten und kein Energy.<\/strong><br>Vornweg, Energy gibt es erst auch in der BRD, also Gesamtdeutschland, nach der Wende oder<br>sogar erst seit 2000 und ist ohnehin vor allem f\u00fcr Kinder sch\u00e4dlich. Auch in der DDR gab es S\u00fc\u00dfigkeiten, die Billigeren waren leichter zu kaufen, weil sie ohnehin schlechter schmeckten, die Besseren und Teureren gab es sehr selten zu kaufen, da die Produktion der DDR nicht nur darauf ausgerichtet war, S\u00fc\u00dfigkeiten f\u00fcrs eigene Land herzustellen, sondern um die bessere W\u00e4hrung BRD-Mark zu erhalten, wurde davon ein gro\u00dfer Teil in die BRD exportiert. Es bestand aber auch die M\u00f6glichkeit die leckeren S\u00fc\u00dfigkeiten im Ausland wie Polen und CSSR etc. zu kaufen, man mu\u00dfte ohnehin bei Einreise einen gewissen Betrag an der Grenze von DDR-Mark in die Landesw\u00e4hrung umtauschen. Es war nur nicht so \u00fcblich wie heute, t\u00e4glich S\u00fc\u00dfigkeiten bekommen zu k\u00f6nnen, aber soweit ich wei\u00df, war dies fr\u00fcher in der BRD auch in der Erziehung nicht vorgesehen und S\u00fc\u00dfigkeiten waren auch da noch etwas Besonderes.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es wurde Russisch unterrichtet.<\/strong><br>Das stimmt nicht. Alle F\u00e4cher wurden in der Schule auf Deutsch unterrichtet, bis auf das Sprachen-Pflicht-Fach Russisch, welches ausschlie\u00dflich in Russisch unterrichtet wurde. Es war ein Pflicht-Fach, da die DDR nach dem 2. Weltkrieg bei der Aufteilung Deutschlands unter sowjetisch russischen Einflu\u00df fiel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Leute in der DDR konnten nicht mit Leuten au\u00dferhalb der DDR kommunizieren.<br><\/strong>Das ist falsch. Man konnte Briefe schreiben an Menschen au\u00dferhalb der DDR, man mu\u00dfte jedoch davon ausgehen, da\u00df diese Briefe von der Stasi gelesen wurden, vor allem, wenn man Briefe und Pakete in die BRD schickte, wurden diese in der Regel ge\u00f6ffnet und gepr\u00fcft, oft sogar Inhalte gestohlen. Telefonieren konnte man auch ins Ausland, egal ob Ost oder West. Allerdings hatten in der DDR nur Menschen ein privates Telefon, welche linientreu gegen\u00fcber der Regierung waren, mithin Mitglied der SED waren und\/oder einen wichtigen Job innehatten wie Arzt, Anwalt oder Politiker etc. Normale Familien aus der Arbeiterklasse hatten daher keinesfalls ein privates Telefon. Meine Familie hatte erst ein Telefon nach der Wende. Berufliche Telefone gab es auch, daf\u00fcr mu\u00dfte man jedoch in einer gehobenen Position arbeiten und daf\u00fcr mu\u00dfte man linientreu sein. Von der Stasi wurden Telefonate abgeh\u00f6rt, was man mit einem Knacken in der Leitung h\u00f6ren konnte.  Menschen vertrauten daher eher auf andere  Kommunikationsebenen wie Briefe \u00fcberreichen \u00fcber vertrauensw\u00fcrdige Menschen, um einer Bespitzelung zu entgehen oder man traf sich heimlich im Wald etc. aus gleichen Gr\u00fcnden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Es gab kein Briefgeheimnis.<\/strong><br>Offiziell wird es sicherlich ein Briefgeheimnis gegeben haben. Aber tats\u00e4chlich hat es ein solches nicht gegeben und wenn dann nur, um es gegen die eigene Bev\u00f6lkerung zu verwenden. Es wurde auch sicherlich nicht jeder Brief ge\u00f6ffnet, weil dazu gab es noch immer zu wenig Kapazit\u00e4ten innerhalb der Stasi. Aber Pakete, welche wir z.B. verschickten in die BRD und Pakete, welche von der BRD zu uns kamen, waren immer ge\u00f6ffnet und wieder verschlossen worden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Charite war in der DDR.<br><\/strong>Wikipedia: Durch die Teilung Berlins nach dem 2. Weltkrieg lag die Charite in Ost-Berlin. Ganz im Westen des damaligen Bezirkes Mitte gelegen, grenzte sie ab 1961 (Mauerbau) direkt an die Berliner-Mauer \u2013 an Spree und Humboldthafen\/Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in Form einer Wassergrenze.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2142\" width=\"368\" height=\"245\" srcset=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920-300x200.jpg 300w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920-768x512.jpg 768w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920-1140x760.jpg 1140w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/charite-gfdc4c043e_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>Die Schule war sehr streng und ganz anders als heute.<\/strong><br>Die Zeiten, als meine Gro\u00dfeltern und Eltern und ich gro\u00df geworden sind, waren allgemein strenger als heute. Soweit ich wei\u00df, war aber auch die Schule im Westen sehr streng und anders als heute. Ich ging sehr gern zur Schule, da man bis auf die politische Ebene sehr viel Wissen und vor allem auch Allgemeinwissen vermittelt bekommen hat und man f\u00fcr seine Leistungen stets gelobt und belohnt wurde.<br>Ab meiner Zeit war es den Lehrern auch nicht mehr erlaubt, die Sch\u00fcler zu z\u00fcchtigen (schlagen), wodurch wir auch frecher sein konnten, als die vorherige Generation. Was sehr anstrengend und nervig war, war die politische, kommunistische \u201eAusbildung\u201c. Es wurde schon im Kindergarten darauf geachtet, da\u00df alle linientreu erzogen werden sollen. Ich habe jedoch den Kommunismus nicht als gerechte Gemeinschaftsform empfunden und bin daher oft mit meinen unbequemen Fragen und meinem Gerechtigkeitssinn negativ aufgefallen. Ich konnte dies jedoch mit meinen sehr guten schulischen und sportlichen Leistungen kompensieren und habe keine ernsthaften Probleme bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>In der DDR gab es kein McDonalds.<\/strong><br>Nein zum Gl\u00fcck gab es bei uns kein Fast-Food \u2013 wir wurden daher eigentlich ziemlich gesund ern\u00e4hrt. In meiner Familie gab es immer gesunde und ausgewogene Ern\u00e4hrung, sehr lecker und sehr viel.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong>Es gab nur ein Auto zu kaufen (Trabant).<\/strong><br>Nein, man konnte in der DDR, wenn man das n\u00f6tige Geld hatte, alle Autos kaufen, welche in kommunistischen L\u00e4ndern hergestellt wurden (Trabant und Wartburg in der DDR, Skoda in der CSSR, Lada oder Moskwitsch aus Russland, Polski Fiat aus Polen etc.). Man konnte allerdings neue Autos nicht so einfach im Autohaus kaufen, sondern man mu\u00dfte eine Bestellung abgeben und die Lieferung dauerte beim einfachen Volk in der Regel viele Jahre, weshalb Menschen diese Bestellung bereits mit der Geburt des Kindes abgaben. Die Verf\u00fcgbarkeit von Autos in der DDR war begrenzt. Die zur Verf\u00fcgung stehenden St\u00fcckzahlen konnten die Nachfrage nicht decken. Daher waren gebrauchte Autos auch nicht viel preiswerter als neue Autos. Meine Familie hat daher gebrauchte Autos aus dem kommunistischen Ausland gekauft (Skoda, Moskwitsch, Lada).<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920-1024x658.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2141\" width=\"314\" height=\"201\" srcset=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920-1024x658.jpg 1024w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920-300x193.jpg 300w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920-768x494.jpg 768w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920-1536x987.jpg 1536w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920-1140x733.jpg 1140w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/satellite-gc4e01b185_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 314px) 100vw, 314px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p><strong>94% der Frauen haben gearbeitet.<\/strong><br>Ich kann mich erinnern, da\u00df tats\u00e4chlich fast alle Frauen, auch M\u00fctter gearbeitet haben und die Kinder in der Regel direkt nach der Geburt in die Kinderkrippe, die Wochenkrippe und Kindergarten kamen. Ich kenne pers\u00f6nlich nur eine einzige Schulfreundin, bei der die Mutter als Hausfrau zu Hause blieb. Es war vom kommunistischen System aus zweierlei Gr\u00fcnden gewollt, da\u00df Frauen auch Vollzeit arbeiten. Erstens wurden sie dringend als billigere Arbeitskr\u00e4fte gebraucht und zweitens sollten deren Kinder besser durch linientreue Mitarbeiter in Kinderkrippe, Wochenkrippe, Kindergarten, Schule und Hort erzogen werden und schon von klein auf an die kommunistischen Ideale und Regeln herangef\u00fchrt werden.<br>Insoweit wurde diese \u201eIdee\u201c vom Dritten Reich hier \u00fcbernommen. Individualit\u00e4t sollte es nicht geben, sondern einheitlich konform erzogene Kinder, welche den vorgegebenen Idealen (hier Kommunismus) nacheiferten und keine unbequemen Fragen stellten. Uns wurde auch immer beigebracht, da\u00df die BRD und der Westen und vor allem die USA ganz \u201eb\u00f6se\u201c w\u00e4ren und dort viele Menschen obdachlos sind und hungerten und es doch in der Sowjetunion und allen anderen kommunistischen L\u00e4ndern viel besser sei.<br>OK in der DDR gab es wirklich keine Obdachlosen und wir mu\u00dften auch nicht hungern, da Lebensmittel stets sehr billig waren, aber daf\u00fcr konnten wir uns nicht individuell entwickeln und mu\u00dften eine politische Meinung haben<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Wir danken der Zeitzeugin vielmals f\u00fcr dieses ausf\u00fchrliche und sehr spannende Interview!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wissen unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler \u00fcber die DDR? Und was sind vielleicht nur Vorurteile? Unsere Sch\u00fclerzeitung ist durch einige Oberstufenkurse gegangen und hat die Sch\u00fclerInnen nach ihren Annahmen \u00fcber die DDR gefragt. Anschlie\u00dfend hat unsere Sch\u00fclerzeitungsredaktion die Annahmen einem &#8220;Faktencheck&#8221; unterzogen. Unsere Redakteurin Giulia aus der 6a kennt jemanden, der in der DDR aufgewachsen ist und somit aus eigener Erfahrung berichten konnte, was der Wahrheit entspricht und was nur Vorurteile sind. Hier ist ihr Faktenchek: Annahme unserer Sch\u00fclerInnen: Die Menschen in der DDR hatten keine Freiheit und waren wie Gefangene.Antwort der Zeitzeugin: Nein wir waren nicht in dem Sinne Gefangene wie in einem Gef\u00e4ngnis. Man konnte mit seinem Personalausweis auch die angrenzenden L\u00e4nder bereisen, welche dem Warschauer Pakt angeh\u00f6rten, mithin kommunistische L\u00e4nder waren, wie Polen, CSSR (heute Tchechien undSlowakei), Ungarn, Rum\u00e4nien, Jugoslawien (heute 7 eigene Staaten) und die CCCP fr\u00fcher Sowjetunion\/Russland). Dort mu\u00dfte man sich jedoch streng an Regeln der kommunistischen Regierungen halten. Eine Reise in kapitalistische L\u00e4nder (\u00d6sterreich, BRD) war \u201eNormalB\u00fcrgern\u201c nicht so einfach gestattet und bedurfte stets eines Visums und erhielten in der Regel nur Personen, welche linientreu zur Regierung der DDR waren, Mitglied der SED waren und\/oder keinesfalls diese Reise als Flucht nutzten. Man konnte niemandem vertrauen (auch nicht der Familie), weil man immer davon ausgehen musste, dass man bespitzelt wurde (Stasi).In der Tat musste man extrem vorsichtig sein, wem man sein Vertrauen schenkte, sofern man politisch nicht erlaubte Dinge sagen oder machen wollte. Die Arbeit der Stasi bestand nicht nur im Bespitzeln des Westens, sondern vor allem im Bespitzeln der eigenen Bev\u00f6lkerung. Hierzu wurden sehr gern Menschen eingesetzt, welche als sogenannte IM (inoffizielle Mitarbeiter) f\u00fcr die Stasi &#8211; nicht nach au\u00dfen erkennbar &#8211; t\u00e4tig waren. Einige Menschen machten freiwillig den Dienst als IM, andere aber wurden dazu gezwungen, ihre Freunde, Kollegen oder sogar eigene Familie zu bespitzeln. Je mehr die DDR zu zerbrechen drohte, um so mehr war die Stasi t\u00e4tig, Andersdenkende zu verfolgen und damit auch der eigenen Bev\u00f6lkerung Angst zu machen. Viele Menschen kamen aufgrund dieser Bespitzelung von heute auf Morgen ins Gef\u00e4ngnis, diesen wurde kurzfristig der Proze\u00df gemacht und sie sahen ihre Familien nicht mehr wieder, sie waren politische Gefangene vor allem in daf\u00fcr der Bev\u00f6lkerung bekannten Gef\u00e4ngnissen wie Berlin Hohensch\u00f6nhausen oder Bautzen II etc., nur weil sie politisch anderer Meinung waren oder eine Flucht in die BRD planten. Dies ging sogar so weit, da\u00df deren Kinder zur Zwangsadoption freigegeben wurden.Erst nach der Wende wurden politisch Gefangene frei gelassen. Viele haben jedoch die Verh\u00f6re und Bedingungen im Gef\u00e4ngnis nicht \u00fcberlebt. Mit Aufkommen der Wende wurden viele Akten der Stasi von den Mitarbeitern der Stasi selbst zerst\u00f6rt. Noch heute sind Mitarbeiter der Beh\u00f6rde Amt f\u00fcr Bundesbeauftragte f\u00fcr Stasi-Unterlagen damit besch\u00e4ftigt, diese zerst\u00f6rten Aktien wieder zusammen zu puzzlen. Es gab keine geilen S\u00fc\u00dfigkeiten und kein Energy.Vornweg, Energy gibt es erst auch in der BRD, also Gesamtdeutschland, nach der Wende odersogar erst seit 2000 und ist ohnehin vor allem f\u00fcr Kinder sch\u00e4dlich. Auch in der DDR gab es S\u00fc\u00dfigkeiten, die Billigeren waren leichter zu kaufen, weil sie ohnehin schlechter schmeckten, die Besseren und Teureren gab es sehr selten zu kaufen, da die Produktion der DDR nicht nur darauf ausgerichtet war, S\u00fc\u00dfigkeiten f\u00fcrs eigene Land herzustellen, sondern um die bessere W\u00e4hrung BRD-Mark zu erhalten, wurde davon ein gro\u00dfer Teil in die BRD exportiert. Es bestand aber auch die M\u00f6glichkeit die leckeren S\u00fc\u00dfigkeiten im Ausland wie Polen und CSSR etc. zu kaufen, man mu\u00dfte ohnehin bei Einreise einen gewissen Betrag an der Grenze von DDR-Mark in die Landesw\u00e4hrung umtauschen. Es war nur nicht so \u00fcblich wie heute, t\u00e4glich S\u00fc\u00dfigkeiten bekommen zu k\u00f6nnen, aber soweit ich wei\u00df, war dies fr\u00fcher in der BRD auch in der Erziehung nicht vorgesehen und S\u00fc\u00dfigkeiten waren auch da noch etwas Besonderes. Es wurde Russisch unterrichtet.Das stimmt nicht. Alle F\u00e4cher wurden in der Schule auf Deutsch unterrichtet, bis auf das Sprachen-Pflicht-Fach Russisch, welches ausschlie\u00dflich in Russisch unterrichtet wurde. Es war ein Pflicht-Fach, da die DDR nach dem 2. Weltkrieg bei der Aufteilung Deutschlands unter sowjetisch russischen Einflu\u00df fiel. Die Leute in der DDR konnten nicht mit Leuten au\u00dferhalb der DDR kommunizieren.Das ist falsch. Man konnte Briefe schreiben an Menschen au\u00dferhalb der DDR, man mu\u00dfte jedoch davon ausgehen, da\u00df diese Briefe von der Stasi gelesen wurden, vor allem, wenn man Briefe und Pakete in die BRD schickte, wurden diese in der Regel ge\u00f6ffnet und gepr\u00fcft, oft sogar Inhalte gestohlen. Telefonieren konnte man auch ins Ausland, egal ob Ost oder West. Allerdings hatten in der DDR nur Menschen ein privates Telefon, welche linientreu gegen\u00fcber der Regierung waren, mithin Mitglied der SED waren und\/oder einen wichtigen Job innehatten wie Arzt, Anwalt oder Politiker etc. Normale Familien aus der Arbeiterklasse hatten daher keinesfalls ein privates Telefon. Meine Familie hatte erst ein Telefon nach der Wende. Berufliche Telefone gab es auch, daf\u00fcr mu\u00dfte man jedoch in einer gehobenen Position arbeiten und daf\u00fcr mu\u00dfte man linientreu sein. Von der Stasi wurden Telefonate abgeh\u00f6rt, was man mit einem Knacken in der Leitung h\u00f6ren konnte. Menschen vertrauten daher eher auf andere Kommunikationsebenen wie Briefe \u00fcberreichen \u00fcber vertrauensw\u00fcrdige Menschen, um einer Bespitzelung zu entgehen oder man traf sich heimlich im Wald etc. aus gleichen Gr\u00fcnden. Es gab kein Briefgeheimnis.Offiziell wird es sicherlich ein Briefgeheimnis gegeben haben. Aber tats\u00e4chlich hat es ein solches nicht gegeben und wenn dann nur, um es gegen die eigene Bev\u00f6lkerung zu verwenden. Es wurde auch sicherlich nicht jeder Brief ge\u00f6ffnet, weil dazu gab es noch immer zu wenig Kapazit\u00e4ten innerhalb der Stasi. Aber Pakete, welche wir z.B. verschickten in die BRD und Pakete, welche von der BRD zu uns kamen, waren immer ge\u00f6ffnet und wieder verschlossen worden. Die Charite war in der DDR.Wikipedia: Durch die Teilung Berlins nach dem 2. Weltkrieg lag die Charite in Ost-Berlin. Ganz im Westen des damaligen Bezirkes Mitte gelegen, grenzte sie ab 1961 (Mauerbau) direkt an die Berliner-Mauer \u2013 an Spree und Humboldthafen\/Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal in Form einer Wassergrenze. Die Schule war sehr streng und ganz anders als heute.Die Zeiten, als meine Gro\u00dfeltern und Eltern und ich gro\u00df geworden sind, waren allgemein strenger als heute. Soweit ich wei\u00df, war aber auch die Schule im Westen sehr streng und anders als heute. Ich ging sehr gern zur Schule, da man bis auf die politische Ebene sehr viel Wissen und vor allem auch Allgemeinwissen vermittelt bekommen hat und man f\u00fcr seine Leistungen stets gelobt und belohnt wurde.Ab meiner Zeit war es den Lehrern auch nicht mehr erlaubt, die Sch\u00fcler zu z\u00fcchtigen (schlagen), wodurch wir auch frecher sein konnten, als die vorherige Generation. Was sehr anstrengend und nervig war, war die politische, kommunistische \u201eAusbildung\u201c. Es wurde schon im Kindergarten darauf geachtet, da\u00df alle linientreu erzogen werden sollen. Ich habe jedoch den Kommunismus nicht als gerechte Gemeinschaftsform empfunden und bin daher oft mit meinen unbequemen Fragen und meinem Gerechtigkeitssinn negativ aufgefallen. Ich konnte dies jedoch mit meinen sehr guten schulischen und sportlichen Leistungen kompensieren und habe keine ernsthaften Probleme bekommen. In der DDR gab es kein McDonalds.Nein zum Gl\u00fcck gab es bei uns kein Fast-Food \u2013 wir wurden daher eigentlich ziemlich gesund ern\u00e4hrt. In meiner Familie gab es immer gesunde und ausgewogene Ern\u00e4hrung, sehr lecker und sehr viel. Es gab nur ein Auto zu kaufen (Trabant).Nein, man konnte in der DDR, wenn man das n\u00f6tige Geld hatte, alle Autos kaufen, welche in kommunistischen L\u00e4ndern hergestellt wurden (Trabant und Wartburg in der DDR, Skoda in der CSSR, Lada oder Moskwitsch aus Russland, Polski Fiat aus Polen etc.). Man konnte allerdings neue Autos nicht so einfach im Autohaus kaufen, sondern man mu\u00dfte eine Bestellung abgeben und die Lieferung dauerte beim einfachen Volk in der Regel viele Jahre, weshalb Menschen diese Bestellung bereits mit der Geburt des Kindes abgaben. Die Verf\u00fcgbarkeit von Autos in der DDR war begrenzt. Die zur Verf\u00fcgung stehenden St\u00fcckzahlen konnten die Nachfrage nicht decken. Daher waren gebrauchte Autos auch nicht viel preiswerter als neue Autos. Meine Familie hat daher gebrauchte Autos aus dem kommunistischen Ausland gekauft (Skoda, Moskwitsch, Lada). 94% der Frauen haben gearbeitet.Ich kann mich erinnern, da\u00df tats\u00e4chlich fast alle Frauen, auch M\u00fctter gearbeitet haben und die Kinder in der Regel direkt nach der Geburt in die Kinderkrippe, die Wochenkrippe und Kindergarten kamen. Ich kenne pers\u00f6nlich nur eine einzige Schulfreundin, bei der die Mutter als Hausfrau zu Hause blieb. Es war vom kommunistischen System aus zweierlei Gr\u00fcnden gewollt, da\u00df Frauen auch Vollzeit arbeiten. Erstens wurden sie dringend als billigere Arbeitskr\u00e4fte gebraucht und zweitens sollten deren Kinder besser durch linientreue Mitarbeiter in Kinderkrippe, Wochenkrippe, Kindergarten, Schule und Hort erzogen werden und schon von klein auf an die kommunistischen Ideale und Regeln herangef\u00fchrt werden.Insoweit wurde diese \u201eIdee\u201c vom Dritten Reich hier \u00fcbernommen. Individualit\u00e4t sollte es nicht geben, sondern einheitlich konform erzogene Kinder, welche den vorgegebenen Idealen (hier Kommunismus) nacheiferten und keine unbequemen Fragen stellten. Uns wurde auch immer beigebracht, da\u00df die BRD und der Westen und vor allem die USA ganz \u201eb\u00f6se\u201c w\u00e4ren und dort viele Menschen obdachlos sind und hungerten und es doch in der Sowjetunion und allen anderen kommunistischen L\u00e4ndern viel besser sei.OK in der DDR gab es wirklich keine Obdachlosen und wir mu\u00dften auch nicht hungern, da Lebensmittel stets sehr billig waren, aber daf\u00fcr konnten wir uns nicht individuell entwickeln und mu\u00dften eine politische Meinung haben Wir danken der Zeitzeugin vielmals f\u00fcr dieses ausf\u00fchrliche und sehr spannende Interview!<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2115,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[],"class_list":["post-2111","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ddrspecial"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2111","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2111"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2111\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2149,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2111\/revisions\/2149"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2115"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2111"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2111"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2111"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}