{"id":2053,"date":"2022-12-31T14:53:15","date_gmt":"2022-12-31T14:53:15","guid":{"rendered":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=2053"},"modified":"2023-01-14T14:14:25","modified_gmt":"2023-01-14T14:14:25","slug":"interview-mit-martin-busche-ddr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=2053","title":{"rendered":"Interview mit dem DDR-Zeitzeugen Martin Busche"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Liebe Leser und Leserinnen,<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>am 09.11.2022 habe ich einen alten Mann namens Martin Busche aus Kleve interviewt. Ich kenne ihn aus der Praxis von meinem Vater  und seine Geschichte \u00fcber seine Zeit und seiner Flucht von der DDR ist sehr spannend. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-large-font-size\"><strong>Interview <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche: Hallo, ich bin Martin Busche und ich komme aus Berlin. Ich habe die Zeit der DDR erlebt und ich m\u00f6chte euch \u00fcber meine Flucht von der DDR erz\u00e4hlen. <\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdalllah: Dankesch\u00f6n! Warum sind Sie von der DDR gefl\u00fcchtet?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche: Meine Eltern haben mich zu meiner Tante und meinem Onkel, die in der DDR gelebt haben, gebracht, weil ich mich immer schlecht verhalten habe. Meine Eltern haben eigentlich geplant, dass ich da f\u00fcr ein paar Monaten bleibe.<\/strong> <strong>Als die Mauer gebaut wurde, musste ich l\u00e4nger bleiben. Ich habe meine Eltern sehr vermisst und sie mich. Das Leben in der DDR war schrecklich. Es gab nicht genug Essen und man d\u00fcrfte keine Musik vom Westen h\u00f6ren. Man d\u00fcrfte nur zu den &#8220;Br\u00fcderl\u00e4nder&#8221; reisen wie z.B. Polen und die Ukraine (damalige Sowjetunion). Deshalb habe ich meinen Fluchtweg geplant.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdallah: Warum gab es wenig Essen?<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche: Fr\u00fcher gab es zum Beispiel selten Bananen, denn die Regierung entschied, wie viel von einer Ware geliefert werden soll, deshalb gab es fr\u00fcher zum Beispiel Bananen, Orangen und andere Fr\u00fcchte selten. Wenn man fr\u00fcher einen Auto kaufen wollte, musste man bis 15 Jahren waren. <\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdallah: Wie war die Gleichberechtigung in der DDR? <br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche: Frauen und M\u00e4nner wurden unterschiedlich behandelt. Ich habe gesehen wie  mein Onkel meine Tante behandelt hat. Meine Tante hat fr\u00fcher gearbeitet, aber das Geld, das sie verdiente, m\u00fcsste sie meinen Onkel geben. Sie hat gar kein Geld bekomme au\u00dfer, wenn sie, was vom Supermarkt besorgt. Mein Onkel konnte jederzeit die Arbeit von meiner Tante anrufen und denen sagen, dass sie den Haushalt schlecht macht. Dies hat mein Onkel zum Gl\u00fcck nicht gemacht, sonst w\u00e4re meine Tante gefeuert. Es gab sehr viele B\u00fccher und Werbung in denen gezeigt wurde wie Frauen den Haushalt eigentlich erledigen sollten. M\u00e4nner waren verantwortlich f\u00fcr die Frauen und durften alles f\u00fcr die Frauen bestimmen.<\/strong> <br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdallah: Sie haben ja gesagt, dass sie gefl\u00fcchtet sind, aber wie und wie haben Sie sich gef\u00fchlt dabei?<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin<\/strong> <strong>Busche: Wie schon gesagt, ich habe lange geplant. Ich wei\u00df nicht mehr wie lange, aber lange. Ich hatte ein bisschen Angst erwischt zu werden. Wer erwischt wird, kommt in den Knast oder noch schlimmer, er wird get\u00f6tet. Irgendwie hatte ich das Gef\u00fchl, es zu schaffen. Mein Plan war in einem Koffer zu fl\u00fcchten. Wer wurde ja in einem Koffer fl\u00fcchten? Also entschied ich dies zu tun. Ich habe Hilfe von meinen Onkel und meiner Tante. Erstmal wurde ich in meinem Koffer reingesteckt. Er war sehr gro\u00df. Es war ein sogenannter Schrankkoffer. Ich bin nach Tschechien (Sowjetunion). Von Tschechien zur BDR. Es war ein langer Weg und ich hatte Angst, um meinem Leben. Mir war, aber bewusst, dass es Konsequenzen gibt, aber meine Idee war einzigartig. Ich hatte viel Essen und Trinken dabei, weil es war ein langer Weg. Spielzeug usw. hatte ich auch mit zur Besch\u00e4ftigung.  <\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdallah: Was ist dann passiert?<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche: Als ich endlich angekommen war, wunderten sich meine Eltern, was in diesem Koffer wohl sein wurde. Nachdem sie den Koffer halbwegs ge\u00f6ffnet haben, schrie ich: \u201e Mama,  Papa!\u201c Meine Eltern waren so gl\u00fccklich und mussten vor Freude weinen. Ich musste auch weinen. So froh wie diesen Tag war ich lange nicht mehr. Nach dem Weinen, feierten wir und a\u00dfen das leckere Essen meiner Mutter. Sie versprachen mir an diesem Tag, dass sie mich nie alleine lassen werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdallah: K\u00f6nnen Sie mir noch sagen, wie unterschiedlich die beiden Teile Deutschlands waren?<br><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche:  Nein, leider nicht. Dies habe ich vegessen und nach ein paar Wochen wurde die Mauer zerst\u00f6rt. Dann war es ein Deutschland.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">Warda Abdallah: Danke, dass Sie sich Zeit f\u00fcr mich machen konnten und uns \u00fcber der DDR viel erz\u00e4hlt haben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\"><strong>Martin Busche: Dies war mir eine Freude. <\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p>Ich hoffe, dass ihr jetzt mehr \u00fcber der DDR wisst. <\/p>\n\n\n\n<p><br>Artikel von Warda und (Abdullah)<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leser und Leserinnen, am 09.11.2022 habe ich einen alten Mann namens Martin Busche aus Kleve interviewt. Ich kenne ihn aus der Praxis von meinem Vater und seine Geschichte \u00fcber seine Zeit und seiner Flucht von der DDR ist sehr spannend. Interview Martin Busche: Hallo, ich bin Martin Busche und ich komme aus Berlin. Ich habe die Zeit der DDR erlebt und ich m\u00f6chte euch \u00fcber meine Flucht von der DDR erz\u00e4hlen. Warda Abdalllah: Dankesch\u00f6n! Warum sind Sie von der DDR gefl\u00fcchtet? Martin Busche: Meine Eltern haben mich zu meiner Tante und meinem Onkel, die in der DDR gelebt haben, gebracht, weil ich mich immer schlecht verhalten habe. Meine Eltern haben eigentlich geplant, dass ich da f\u00fcr ein paar Monaten bleibe. Als die Mauer gebaut wurde, musste ich l\u00e4nger bleiben. Ich habe meine Eltern sehr vermisst und sie mich. Das Leben in der DDR war schrecklich. Es gab nicht genug Essen und man d\u00fcrfte keine Musik vom Westen h\u00f6ren. Man d\u00fcrfte nur zu den &#8220;Br\u00fcderl\u00e4nder&#8221; reisen wie z.B. Polen und die Ukraine (damalige Sowjetunion). Deshalb habe ich meinen Fluchtweg geplant. Warda Abdallah: Warum gab es wenig Essen? Martin Busche: Fr\u00fcher gab es zum Beispiel selten Bananen, denn die Regierung entschied, wie viel von einer Ware geliefert werden soll, deshalb gab es fr\u00fcher zum Beispiel Bananen, Orangen und andere Fr\u00fcchte selten. Wenn man fr\u00fcher einen Auto kaufen wollte, musste man bis 15 Jahren waren. Warda Abdallah: Wie war die Gleichberechtigung in der DDR? Martin Busche: Frauen und M\u00e4nner wurden unterschiedlich behandelt. Ich habe gesehen wie mein Onkel meine Tante behandelt hat. Meine Tante hat fr\u00fcher gearbeitet, aber das Geld, das sie verdiente, m\u00fcsste sie meinen Onkel geben. Sie hat gar kein Geld bekomme au\u00dfer, wenn sie, was vom Supermarkt besorgt. Mein Onkel konnte jederzeit die Arbeit von meiner Tante anrufen und denen sagen, dass sie den Haushalt schlecht macht. Dies hat mein Onkel zum Gl\u00fcck nicht gemacht, sonst w\u00e4re meine Tante gefeuert. Es gab sehr viele B\u00fccher und Werbung in denen gezeigt wurde wie Frauen den Haushalt eigentlich erledigen sollten. M\u00e4nner waren verantwortlich f\u00fcr die Frauen und durften alles f\u00fcr die Frauen bestimmen. Warda Abdallah: Sie haben ja gesagt, dass sie gefl\u00fcchtet sind, aber wie und wie haben Sie sich gef\u00fchlt dabei? Martin Busche: Wie schon gesagt, ich habe lange geplant. Ich wei\u00df nicht mehr wie lange, aber lange. Ich hatte ein bisschen Angst erwischt zu werden. Wer erwischt wird, kommt in den Knast oder noch schlimmer, er wird get\u00f6tet. Irgendwie hatte ich das Gef\u00fchl, es zu schaffen. Mein Plan war in einem Koffer zu fl\u00fcchten. Wer wurde ja in einem Koffer fl\u00fcchten? Also entschied ich dies zu tun. Ich habe Hilfe von meinen Onkel und meiner Tante. Erstmal wurde ich in meinem Koffer reingesteckt. Er war sehr gro\u00df. Es war ein sogenannter Schrankkoffer. Ich bin nach Tschechien (Sowjetunion). Von Tschechien zur BDR. Es war ein langer Weg und ich hatte Angst, um meinem Leben. Mir war, aber bewusst, dass es Konsequenzen gibt, aber meine Idee war einzigartig. Ich hatte viel Essen und Trinken dabei, weil es war ein langer Weg. Spielzeug usw. hatte ich auch mit zur Besch\u00e4ftigung. Warda Abdallah: Was ist dann passiert? Martin Busche: Als ich endlich angekommen war, wunderten sich meine Eltern, was in diesem Koffer wohl sein wurde. Nachdem sie den Koffer halbwegs ge\u00f6ffnet haben, schrie ich: \u201e Mama, Papa!\u201c Meine Eltern waren so gl\u00fccklich und mussten vor Freude weinen. Ich musste auch weinen. So froh wie diesen Tag war ich lange nicht mehr. Nach dem Weinen, feierten wir und a\u00dfen das leckere Essen meiner Mutter. Sie versprachen mir an diesem Tag, dass sie mich nie alleine lassen werden. Warda Abdallah: K\u00f6nnen Sie mir noch sagen, wie unterschiedlich die beiden Teile Deutschlands waren? Martin Busche: Nein, leider nicht. Dies habe ich vegessen und nach ein paar Wochen wurde die Mauer zerst\u00f6rt. Dann war es ein Deutschland. Warda Abdallah: Danke, dass Sie sich Zeit f\u00fcr mich machen konnten und uns \u00fcber der DDR viel erz\u00e4hlt haben. Martin Busche: Dies war mir eine Freude. Ich hoffe, dass ihr jetzt mehr \u00fcber der DDR wisst. Artikel von Warda und (Abdullah)<\/p>\n","protected":false},"author":30,"featured_media":2146,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[17,3],"tags":[],"class_list":["post-2053","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-ddrspecial","category-die-reise"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2053","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/30"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2053"}],"version-history":[{"count":7,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2053\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2317,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2053\/revisions\/2317"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2146"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2053"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2053"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/forstersreise.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2053"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}