{"id":2042,"date":"2022-12-14T15:10:03","date_gmt":"2022-12-14T15:10:03","guid":{"rendered":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=2042"},"modified":"2023-03-22T17:36:13","modified_gmt":"2023-03-22T17:36:13","slug":"zeitzeugenbericht-mein-leben-in-der-ddr-michael-schenker","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/forstersreise.de\/?p=2042","title":{"rendered":"Zeitzeugenbericht: Mein Leben in der DDR (Michael Schenker )"},"content":{"rendered":"\n<p>Liebe Leserinnen und Leser, in unserer kleinen Reihe \u00fcber die DDR haben wir mit dem Vater von unserer Redakteurin Laureen,  Michael Schenker, gesprochen, er hat seine Kindheit in der DDR verbracht und uns etwas dar\u00fcber erz\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mein Leben in der DDR <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich lebte in der Kleinstadt Wittichenau im Bezirk Cottbus, welche heute im Bundesland Sachsen liegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wittichenau hat einen hohen katholischen Bev\u00f6lkerungsanteil, dies wurde von staatlicher Seite sehr kritisch gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich ging in einen der wenigen christlichen Kinderg\u00e4rten und hatte erst in der Schule Kontakt mit dem sozialistischen Weltbild.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie fast alle Sch\u00fcler, wurde ich Mitglied bei der staatlich gelenkten Organisation der Pioniere und der FDJ (Freien Deutschen Jugend ). So begann der Schulunterricht mit dem Pioniergru\u00df ,, F\u00fcr Frieden und Sozialismus seid bereit&#8221; und wir Sch\u00fcler antworteten: ,,Immer bereit&#8221;. Oft fand in der Schule ein Fahnenappell statt, ein milit\u00e4risches Ritual mit Strammstehen, Fahne hissen und sozialistischen Gru\u00df. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Juni 1989 trat ich aus der FDJ aus . Der Grund war die gewaltsame Niederschlagung der Protestbewegung in Peking und weil die Regierung der DDR diese bef\u00fcrwortete. <\/p>\n\n\n\n<p>In der 9. Klasse mussten alle m\u00e4nnlichen Sch\u00fcler zur vormilit\u00e4rischen Ausbildung in ein Wehrlager fahren und wurden dort von NVA- Offizieren ausgebildet .Bestandteile dieser Ausbildung waren z.B. Training im Handgranatenwurf, \u00dcbungen mit Gasmasken und Schutzanz\u00fcgen, Ausdauerlauf aber auch das Schie\u00dfen mit dem Luftgewehren und Kleinkaliber-Maschinenpistolen. Auch das ,,Exerzieren&#8221; (Ordnungs\u00fcbungen) sowie milit\u00e4rtheoretischer und politischer Unterricht geh\u00f6rten dazu.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2190\" width=\"341\" height=\"227\" srcset=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920-300x200.jpg 300w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920-768x512.jpg 768w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920-1140x760.jpg 1140w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/barkas-g0bc5818ce_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 341px) 100vw, 341px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Ich und viele andere Jungs aus meiner Klasse verweigerten die vormilit\u00e4rische Ausbildung in dem Wehrlager, aufgrund unseres christlichen Glaubens. Bei unserer Verweigerung mussten wir einzeln in ein Zimmer treten, in dem der Schuldirektor, ein NVA-Offizier, und mein Klassenlehrer sa\u00dfen. Nach meiner Anh\u00f6rung wurde ich ziemlich diffamiert und beschimpft, das wir keine Jungs w\u00e4ren und Schlappschw\u00e4nze sind. Aber wir blieben standhaft und mussten nicht in das Lager fahren.<\/p>\n\n\n\n\n\n<p>Ich ging in den Religionsunterricht, in welchen wir einen Freiraum hatten und viel \u00fcber politische Themen diskutierten. Dort organisierten wir im Sommer 1998 ein Friedensgebet, welches dann jeden Montag in der Kirche stattfand. Im Oktober fand nach dem Friedensgebet jeden Montag eine Demonstration statt. Forderungen bei diesen Demos waren z.B. Meinungs- und Reisefreiheit, freie Wahlen. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 1989 fuhr ich mit befreundeten Jugendlichen in die Nikolai Kirche nach Leipzig, wo im Anschluss die erste gro\u00dfen Demo stattfand, die friedlich verlief. Ein Erlebnis und geschichtliches Ereignis, welches ich nie vergessen werde. Dort hatte ich auch richtige Angst um mein Leben! \u00dcberall waren Polizisten und Soldaten mit Maschinengewehren. In den Seitenstra\u00dfen standen Panzer und Wasserwerfer. Zum Gl\u00fcck gab es keinen Schie\u00dfbefehl und gewaltsame Niederschlagung der Demonstration.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Monat sp\u00e4ter fiel die Mauer und im Jahr darauf ereignete sich die Vereinigung der BRD und DDR zu einen Deutschen Staat.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2191\" width=\"340\" height=\"227\" srcset=\"http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1-300x200.jpg 300w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1-768x512.jpg 768w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1-1536x1024.jpg 1536w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1-1140x760.jpg 1140w, http:\/\/forstersreise.de\/wp-content\/uploads\/2022\/12\/border-g305d60e2c_1920-1.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Artikel von Laureen Schenker (6a) und Giulia Kasig (6a) <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Liebe Leserinnen und Leser, in unserer kleinen Reihe \u00fcber die DDR haben wir mit dem Vater von unserer Redakteurin Laureen, Michael Schenker, gesprochen, er hat seine Kindheit in der DDR verbracht und uns etwas dar\u00fcber erz\u00e4hlt. Mein Leben in der DDR Ich lebte in der Kleinstadt Wittichenau im Bezirk Cottbus, welche heute im Bundesland Sachsen liegt. Wittichenau hat einen hohen katholischen Bev\u00f6lkerungsanteil, dies wurde von staatlicher Seite sehr kritisch gesehen. Ich ging in einen der wenigen christlichen Kinderg\u00e4rten und hatte erst in der Schule Kontakt mit dem sozialistischen Weltbild. Wie fast alle Sch\u00fcler, wurde ich Mitglied bei der staatlich gelenkten Organisation der Pioniere und der FDJ (Freien Deutschen Jugend ). So begann der Schulunterricht mit dem Pioniergru\u00df ,, F\u00fcr Frieden und Sozialismus seid bereit&#8221; und wir Sch\u00fcler antworteten: ,,Immer bereit&#8221;. Oft fand in der Schule ein Fahnenappell statt, ein milit\u00e4risches Ritual mit Strammstehen, Fahne hissen und sozialistischen Gru\u00df. Im Juni 1989 trat ich aus der FDJ aus . Der Grund war die gewaltsame Niederschlagung der Protestbewegung in Peking und weil die Regierung der DDR diese bef\u00fcrwortete. In der 9. Klasse mussten alle m\u00e4nnlichen Sch\u00fcler zur vormilit\u00e4rischen Ausbildung in ein Wehrlager fahren und wurden dort von NVA- Offizieren ausgebildet .Bestandteile dieser Ausbildung waren z.B. Training im Handgranatenwurf, \u00dcbungen mit Gasmasken und Schutzanz\u00fcgen, Ausdauerlauf aber auch das Schie\u00dfen mit dem Luftgewehren und Kleinkaliber-Maschinenpistolen. Auch das ,,Exerzieren&#8221; (Ordnungs\u00fcbungen) sowie milit\u00e4rtheoretischer und politischer Unterricht geh\u00f6rten dazu. Ich und viele andere Jungs aus meiner Klasse verweigerten die vormilit\u00e4rische Ausbildung in dem Wehrlager, aufgrund unseres christlichen Glaubens. Bei unserer Verweigerung mussten wir einzeln in ein Zimmer treten, in dem der Schuldirektor, ein NVA-Offizier, und mein Klassenlehrer sa\u00dfen. Nach meiner Anh\u00f6rung wurde ich ziemlich diffamiert und beschimpft, das wir keine Jungs w\u00e4ren und Schlappschw\u00e4nze sind. Aber wir blieben standhaft und mussten nicht in das Lager fahren. Ich ging in den Religionsunterricht, in welchen wir einen Freiraum hatten und viel \u00fcber politische Themen diskutierten. Dort organisierten wir im Sommer 1998 ein Friedensgebet, welches dann jeden Montag in der Kirche stattfand. Im Oktober fand nach dem Friedensgebet jeden Montag eine Demonstration statt. Forderungen bei diesen Demos waren z.B. Meinungs- und Reisefreiheit, freie Wahlen. Im Oktober 1989 fuhr ich mit befreundeten Jugendlichen in die Nikolai Kirche nach Leipzig, wo im Anschluss die erste gro\u00dfen Demo stattfand, die friedlich verlief. Ein Erlebnis und geschichtliches Ereignis, welches ich nie vergessen werde. Dort hatte ich auch richtige Angst um mein Leben! \u00dcberall waren Polizisten und Soldaten mit Maschinengewehren. In den Seitenstra\u00dfen standen Panzer und Wasserwerfer. Zum Gl\u00fcck gab es keinen Schie\u00dfbefehl und gewaltsame Niederschlagung der Demonstration. 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